Die Infrastruktur für die Modellbahn

Stand 4. Oktober 2020

Beim Bau einer Modellbahnanlage konzentriert man sich natürlich auf das Verlegen der Gleise und das Gestalten der Landschaft. Damit die Räder tatsächlich rollen können, sind noch ein paar andere Dinge zu erledigen. Hier möchte ich einige Themen zusammenfassen und vielleicht den ein oder anderern unkonventuionellen Weg an Hand der Erfahrungen mit meiner Analge Ge(l)dern aufzeigen. Natürlich kommt man auch anders ans Ziel.

Bei der Stromversorgung

verfolge ich eine ganz simple Strategie. Ich mag keine freihändig verlegten 230V Leitungen in der Modellbahn. Die Gefahr, dass jemand einen Stromschlag bekommt oder die Modellbahn in Flammen aufgeht, ist mir einfach zu groß. Eine fachgerechte Verlegung setzt doch eine gewisse Erfahrung voraus und es gibt einiges zu beachten. Zudem wird es im Schadensfall – ohne Abnahme durch eine zertifiziere Fachkraft – immer zu Problemen  mit der Versicherung kommen. Ich setze im 230V Bereich ausschließlich auf fertig konfigurierte Geräte mit „Stecker“ und lasse den Seitenschneider in der Tasche. Zugegeben sehen die Kabel unter der Anlage optisch nicht so schön aus, dem Komfort und der Funktion tut es keinen Abbruch.

Um einzelne Geräte ein- und auszuschalten, nutze ich fernbedienbare Steckdosenleisten. Diese gibt es mit integrieren Überlastungsschutz und einzeln schaltbaren Steckdosen (ca. 35 Euro). So lange die angeschlossen Verbraucher nur wenige Watt Leistung benötigen – wie LEDs oder Kameras – kann man diese auch weiter verteilen. Trafos sollten hingegen immer einzeln angeschlossen werden. Ich nutze Modellbahntrafos von Conrad, Uhlenbrock oder Tillig (um die 75VA ca. 75 Euro). Wer ebenfalls in Spur TT bauen möchte, sollte unbedingt auf einen 12V Anschluss für die Zentrale Wert legen. Auch wenn die Leistung bei kleineren Anlagen u.U. nicht benötigt wird, empfiehlt es sich, den Digitalstrom für die Gleise und die Strom für die Zubehörteile, wie Weichen und Signale, zu trennen – d.h. mindestens zwei separate Trafos zu verwenden. Dies erhöht die Betriebssicherheit und vereinfacht die Fehlersuche. Bei kleinen Spuren, die nicht mit 16V Digitalstrom betrieben werden, sind zwei Trafos für die unterschiedlichen Spannungen Pflicht.

Licht im Schattenbahnhof

Egal ob man manuell oder automatisch fährt, so fern man Züge in einem Schattenbahnhof abstellen möchte, braucht man dort früher oder später eine Beleuchtung. In den letzten Jahren haben sich für diesen Zweck selbstklebende LED-Streifen recht weit verbreitet. Für mich kamen diese aber nicht in Frage. Zum einen hält der Kleber auf unbehandelten Holz nur sehr schlecht bzw. löst sich nach einiger Zeit. Da ich die Steifen an Stellen anbringen müsste, wo ich nie wieder heran komme, war mir dieses Risiko zu groß. Zum anderen blenden diese LEDs so extrem, so dass ich diese hinter einer zusätzlichen Blende verstecken müsste.

Bei der Suche nach Alternativen bin ich über kleine LED Spots gestolpert. Diese besitzen einen Sockel, der an den Spanten des Rahmens der Anlage verschraubt werden kann. Da der Spot selbst bist zu 30° in alle Richtungen geschwenkt werden kann, ist man in der Positionierung sehr flexibel, so dass sich bei einem Defekt der Austausch recht einfach gestaltet. Ein kombinierter LED-Treiber/Trafo liegt jedem Spot bei. Bei Bedarf kann entweder die Primär- oder die Sekundärseite verlängert werden. Fünf dieser Spots kosten um die 17 Euro (z.B. bei ebay nach „5× 1W Mini LED Leuchte Minispot Aluminium“ suchen).

Die Lichtausbeute ist selbst für Kameras mehr als ausreichend. In meinem Schattenbahnhof (rund 6m²) sind lediglich 8 Spots verbaut.

Kameras für den Schattenbahnhof

Licht ist nur die halbe Miete. Wer sich nicht ständig krum machen will, braucht früher oder später Hilfmittel, um den Überblick zu behalten. Beim Thema Kameras im Schattenbahnhof gibt es die verschiedensten Ansätze. Es ist ganz nützlich, sich zu überlegen was man will. Wo von man ungesehen die Finger lassen sollte, sind klassische Videoüberwachungssysteme. Sie sind in der Regel überteuert, unflexibel, aufwendig zu installieren und mit nichts kompatibel. Für mich war u.a. wichtig:

  • Nutzung der vorhandenen Computermonitore (d.h. keine Installation zusätzlicher TV- Geräte u.ä.)
  • Einfache Verkabelung
  • Aufzeichnungsmöglichkeit für Videos
  • Autonome Nutzung ohne Smartphone-Apps und Internet
  • Volle Kontrolle der Datenströme
  • gute Videoqualität
  • Werterhalt durch Weiternutung auch ohne Modellbahn

Am Ende viel meine Wahl auf konventionelle IP-Kameras aus dem Computerbereich. Ich habe mich für die Foscam C2M entschieden. Die Konfiguration und der Zugriff ist ohne Zusatzsoftware über einen Browser und das Heimnetzwerk möglich. Bei mehr als einer Kamera empfiehlt sich auf Grund der Anzeigegeschwindigkeit die Software des Herstellers. Zur Minimierung des Kabelgedöhns, habe ich mich zum Anschluss per WLAN entschiedenen. Eine Anmeldung am Router ist per WPS auch für den Laien problemlos möglich. Nach ein paar Tagen Betrieb stellte sich allerdings heraus, dass die Framerate extrem zusammengebrochen ist, wenn andere Mitbewohner auf das WLAN zugregriffen haben.

Es gab nun die Möglichkeit, die Kameras per Netzwerkkabel anzuschließen. Dazu hätte neben dem USB/Stromkabel ein zusätzliches Kabel für jede Kamera verlegt werden müssen. Wahlweise wäre auch eine PoE-Verkabelung möglich, nur wollte ich kein zusätzliches Geld für einen PoE-Switch samt passender Splitter ausgeben. Also ging ich in den Keller und habe eine alte Fritzbox 3370 ausgegraben. Die habe ich per LAN mit der Master-Fritzbox verbunden und ein separates WLAN mit eigener SSID und eigenem Funkkanal nur für Modellbahn aufgespannt.

Computer mit Zentrale verbinden – XXL

Die zweite Fritzbox hat ein weiteres Problem erschlagen, was zuvor schon gelöst schien. Mein Computer für die Überwachnung der Modellbahn und die Zentrale stehen recht weit auseinander. Ich nutze die Intellibox II von Uhlenbrock, da ich mit richtigen Tasten und Reglern meine Modellbahn bedienen möchte. Folglich wurde die Intellibox in der Nähe des Bahnhofsberichs installiert. Um nun die Box mit dem Computer zu verbinden, muss das USB-Kabel gut 10 Meter einmal um den halben Raum gezogen werden. Mit normalen USB-Kabeln klappt das leider nicht. So habe ich eine aktive USB-Verlängerung verlegt. Bereits nach wenigen Stunden Betrieb hat diese die Mitarbeit kommentarlos eingestellt.

Die Fritzbox bringt nun eigene USB-Anschlüsse mit. Bis dato hatte ich diese immer nur für Speichermedien genutzt. Also warum es nicht mit der Intellibox versuchen? Im Menü (hier Version 6.30) der Fritzbox habe ich den USB-Fernanschluss mit der Option „sonstige Geräte“ aktiviert und auf meinem Modellbahnrechner die zugehörige Clientsoftware installiert. Nach dem Start der Software wurde widererwarten sowohl der USB-Anschluss an der Fritzbox als auch die angeschlosse Intellibox problemlos erkannt und nach Eingabe der Benutzerdaten der Fritzbox diese auch mit dem Rechner verbunden. Sowohl die Software von Uhlenbock als auch Rocrail funktionieren ohne Murren.

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